Wöchentliche Videoandacht

Videoandacht mit Gemeindereferentin Daniela Bräutigam

Krisenzeiten – da fragt sich der ein oder andere: Wer hilft? Regierungen? Krisenstäbe? Ärzte? Gott? Jesus?

Jesus war schon immer derjenige, der hilft. Allerding: WIE und WANN, damit überrascht er uns doch immer wieder. Davon hören wir auch im Evangelium nach Johannes, dass am 5. Fastensonntag gelesen wird.

Da ist Lazarus: Bruder von Maria und Marta und ein guter Freund von Jesus. Lazarus war schwer krank – und Jesus? Weit weg. Er hatte sich eine Auszeit genommen, gemeinsam mit seinen Jüngern, um einen Augenblick den Anfragen, Anforderungen und der immer größeren Verfolgung zu entgehen. In dieser Situation erreicht ihn die Botschaft: „Dein Freund Lazarus ist krank.“ Wir würden erwarten, dass Jesus aufspringt, sich direkt auf den Weg macht und hilft. Aber: Fehlanzeige. Er bleibt erst einmal wo er ist. Warum? Weil er nicht riskieren will, verhaftet zu werden? Das denken zumindest die Jünger. Die Erklärung Jesu ist umso erstaunlicher: „Diese Krankheit führt nicht zum Tod, sondern dient der Verherrlichung Gottes. Durch sie soll der Sohn Gottes verherrlicht werden.“ Eine seltsame Reaktion auf die Nachricht über die Krankheit eines guten Freundes. Aber: Jesus zeigt hier seine Macht und sieht auch den positiven Ausgang der Krankheit voraus. Und da wo wir nach dem „Warum?“ fragen, kennt Jesus die Antwort bereits: Dieses Schicksal hat eine Bedeutung und einen Sinn – in diesem Fall: den Menschen die Macht Jesu zu zeigen und Gott zu verherrlichen.

Und, welche Überraschung. 2 Tage nach der Nachricht macht Jesus sich doch auf den Weg. Auch wenn es für uns Menschen unbegreiflich ist, Jesus weiß, wann seine Zeit gekommen ist. Klar, jeder vernünftige Mensch würde sagen: Entweder sofort oder gar nicht hätte Jesus sich auf den Weg machen sollen. Aber warum die Zeitrechnung und der Plan Gottes ein anderer ist, dass können wir Menschen oft erst im Nachhinein erkennen.

Da der Fußmarsch nach Betanien seine Zeit braucht, ist Lazarus schon 4 Tage tot, als Jesus mit seinen Jüngern ankommt. Maria und Marta, die Schwestern des Lazarus stehen unter Schock. Und als sie von der Ankunft Jesu hören, zieht sich Maria ins Haus zurück. Marta aber geht Jesus entgegen. Und ihre Begrüßung kann man auch als Vorwurf verstehen: „Wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben.“ Aber dabei bleibt es nicht. Den Marta vertraut: „Aber auch jetzt weiß ich: Alles, worum du Gott bittest, wird Gott dir geben.“ Und Jesus gibt ihr das Versprechen: „Dein Bruder wird auferstehen.“

Und das Versprechen gilt allen, die ihm zuhören. Jeder, der an ihn glaubt, wird auferstehen zum ewigen Leben. Für Marta ist das auch logisch. „Ich weiß, dass er auferstehen wird bei der Auferstehung am Jüngsten Tag“ antwortet sie. Aber Jesus geht noch einen Schritt weiter: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben.“ Tja, da ist sie wieder, die Frage nach dem Zeitplan! Wann wird Jesus Lazarus auferwecken? Heute? Morgen? Am jüngsten Tag? Das Wann und Wie ist also seine Sache. Da brauchen wir Menschen gar nicht so genau Bescheid zu wissen. Wichtig ist nur, dass wir uns darauf verlassen können, DASS er es tut, DASS er hilft.

Und Jesus Fragt Marta: „Glaubst du das?“ – und uns fragt er ganz genauso: „Glaubst du das?“ Und Marta antwortet mit einem kindlich anmutenden Glauben: „Ja, Herr, ich glaube, dass du der Christus bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll.“

Und Marta macht sich schnell auf den Weg zu Maria. Sie macht ihr buchstäblich Beine, sich endlich zu bewegen. Auch sie soll Jesus treffen. Auch das gehört zum Glauben dazu – anderen von der Frohen Botschaft erzählen, das Bemühen darum, andere zu Jesus zu bringen. Etwas das wir unter dem etwas sperrigen Wort Evangelisierung gern einmal verbergen.

Und Maria? Sie reagiert erstmal genau wir Marta: „wärst du da gewesen, wäre das alles nicht passiert.“ Aber sie kann dieses Vertrauen unter all ihrer Trauer nicht finden, dass ihre Schwester zum Ausdruck gebracht hat. Die weint und klagt, gemeinsam mit den Verwandten und Nachbarn, die dabeistehen.

Und Jesus? Trauert er jetzt mit den Freunden? Nein, er tut wieder etwas, das wir Menschen nicht verstehen: Er wird wütend. Er ärgert sich über das fehlende Vertrauen seiner Freunde. Geht es uns da nicht ganz genauso? Gerade in der jetzigen Krisensituation? Wäre doch unser Gott-Vertrauen und Glaube größer als unsere Zweifel, Traurigkeit und Angst! Aber: alles MENSCHLICH! Und das ist der entscheidende Punkt.

Jesus lässt sich zum Grab des Lazarus bringen. Aus seinem Zorn wird Trauer über das fehlende Vertrauen und die Zweifel. Aber Jesus gibt nicht auf. Selbst den größten Zweiflern entgegnet er: „Habe ich dir nicht gesagt: Wenn du glaubst, wirst du die Herrlichkeit Gottes sehen.“ Und er zeigt sein eigenes Gottvertrauen, indem er Gott für die Erhörung seiner Gebete dankt. Erst dann ruft er seinen Freund Lazarus, der tatsächlich noch in die Grabtücher gewickelt aus dem Grab heraustritt. Jesu Ruf hat die Macht, Tote lebendig zu machen! Wieviel mehr kann er uns dann aus unserer Angst und unseren Zweifeln herausrufen. Jesus hilft, wie wir Menschen es nicht können. Aber: Zu seiner Zeit und auf seine Art.

Und nachdem sie das mit eigenen Augen gesehen haben, glauben die Menschen. Und sie feiern Jesus, bis hin zum triumphalen Einzug in Jerusalem einige Tage später. Aber so schnell das Vertrauen aufgebaut war, so schnell war es auch wieder verschwunden. Denn noch ein paar Tage später wurden aus den „Hosianna“ Rufen die „Kreuzige ihn“ Rufe. Menschlich. Und so stirbt Jesus selbst und wird in ein Grab gelegt. Die Befürchtungen der Jünger bewahrheiten sich. Aber auch hier zeigt sie Gottes Plan auf unbegreifliche Art: Zwei Tage hatte Jesus gewartet, bevor er sich auf den Weg zu Lazarus machte – Zwei Tage liegt er selber im Grab und ersteht am dritten Tag um uns allen das Leben in Fülle zu schenken und Gottes Macht zu zeigen.

„Ich bin die Auferstehung und das Leben.“ – ihm dürfen wir vertrauen, auch wenn wir seinen Zeitplan nicht kennen und auch nicht immer verstehen können. Er hat uns seine Hilfe zugesagt und ist dafür in den Tod und durch den Tod gegangen. Auf ihn und seine Hilfe können wir uns verlassen. Auch und besonders in schwierigen Zeiten.

Eure Gemeindereferentin Daniela Bräutigam